Corona-Krise – Und was nun?

Statement zur aktuellen Lage von Stefan Maier, Geschäftsführung

25.06.2020, Sankt Augustin

Schaue ich in die Zeitung, ins Internet oder Fernsehen, so reibe ich mir verwundert die Augen. Wir befinden uns gerade beim Abklingen der ersten Corona-Welle und hoffen, dass es keine weitere geben wird. „Uff, nochmal geschafft.“ Während der Corona-Krise wünschten sich die Menschen in meinem Umfeld und, wie der Presse zu entnehmen, wohl auch weltweit, dass wir in der Zeit danach wieder zu uns finden würden. Dass andere Werte zählen mögen als vor der Krise. Immer nur größer, weiter, schneller, das könne es doch nicht sein. Dass wir stattdessen stärker für den Erhalt der Lebensgrundlagen und für soziale Gerechtigkeit einstehen sollten. Dass wir wieder mehr füreinander und unsere Umwelt da sein würden.

Riesige Konjunkturproramme mit gigantischem Ausmaß

Doch was zählt nun, da die meisten von uns die Krise unbeschadet überstanden haben? Wachstum, schnelles, altes, dummes Wachstum! Konjunkturförderprogramme in gigantischem Ausmaß mit dem alles überragenden Ziel, den Konsum anzukurbeln, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. „Leute verreist, Leute kauft, kauft, kauft.“ Doch altes Denken und alte Konzepte haben noch nie zu neuen Lösungen geführt.

Wir steuern mit Höchstgeschwindigkeit auf eine Vielzahl von öko-sozialen Katastrophen zu, an denen gemessen die Corona-Krise ein leichter Schnupfen war. Wir waren in den letzten Monaten in der Lage den Wissenschaftlern zuzuhören, ihnen zu glauben und deren Empfehlungen umzusetzen. Das hat wahrscheinlich Tausenden das Leben gerettet, auch wenn das nun, nach der Krise, nicht mehr von allen so gesehen wird. Seit Jahren warnen Wissenschaftler, übrigens in einer viel größeren Übereinstimmung als die Virologen, vor dem klimatischen Kollaps. Dem Totalausfall! Warum hören wir da nicht zu?

Corona? Es gibt viel größere Herausforderungen

Wir befinden uns mitten in der menschverursachten Klimaerhitzung. Anstatt nun die Wirtschaft umzubauen, zu korrigieren und abzubremsen habe ich das Gefühl, dass wir nun, so knapp vor dem Abgrund nochmal das Gaspedal richtig durchdrücken. Wohlwissend, dass schon heute hunderttausende Mitmenschen – von der Flora und Fauna gar nicht zu sprechen – durch diese klimatischen Veränderungen an den Existenzrand gedrängt oder bereits um ihr Leben gebracht wurden. Dass sie vor Ort entweder sterben oder sich auf die Flucht begeben, nur um zu überleben. Um dann allerdings in der Wüste vor Trumps Grenzzaun, in der Sahara oder im Mittelmeer vor Europas Stacheldraht ihr Leben zu lassen.

Wir befinden uns mitten im 6. Artensterben, welches nach Ansicht der meisten Wissenschaftler eine größere Gefahr für die Menschheit als die Klimaerhitzung darstellt. Dennoch verbauen und zersiedeln wir Landschaften mit immer höherer Geschwindigkeit, wir opfern immer größere Naturreservate, um billige und zugleich überflüssige Lebensmittel oder Pflanzen für den Tank zu produzieren.  Wir werfen, kippen und blasen immer mehr Gifte auf die Äcker, ins Wasser oder in die Luft.

Auf dieser Erde hungerten im letzten Jahr 822 Millionen Menschen. Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an ernährungsbedingten Mangelerscheinungen. Jahn Ziegler bringt es auf den Punkt und setzt es mit Mord gleich. Gleichzeitig beherbergt diese Welt zwei Milliarden übergewichtige, zum Großteil adipöse Menschen.

Die Krönung der Schöpfung vs. mikroskopisch kleinen Viren

Um eine unersättliche Gesellschaft zu stillen, werden täglich Milliarden Tiere entartet gehalten und getötet. Wie wir jüngst feststellen durften, werden nicht nur Tiere entartet gehalten. Auch Menschen! Die Menschen, die im Schlachthof die niedrigsten aller Arbeiten ausführen, werden wie Tiere gehalten. Trotz Corona-Warnung. In nur einem Schlachtbetrieb weit über tausend Menschen mit dem tödlichen Coronavirus infiziert. Warum das alles? Zur Befriedigung einer nicht zu befriedigenden Gier. Auf einem wunderbaren Planeten, dessen Regenerationsfähigkeit wir Tag für Tag, Jahr für Jahr überschreiten. Denken wir denn wirklich, auf einem begrenzten Planeten wäre unbegrenztes Wachstum möglich?

Führten uns nicht gerade diese mikroskopisch kleinen Viren deutlich unsere Hybris vor Augen? Die Krönung der Schöpfung und seine Errungenschaften stürzten innerhalb kürzester Zeit in eine tiefe Depression und Verunsicherung. Systeme und Wirtschaft kollabierten innerhalb von Wochen – wegen einem winzigen Virus.

„Erst das Fressen, dann die Moral.“

Noch im Juli 2019 sorgte eine Studie der Bertelsmann Stiftung für Aufsehen, denn, so die Aussage: „Eine bessere Gesundheitsversorgung sei nur mit einer Halbierung der Kliniken im Bundesgebiet möglich.“ 800 von 1.400 Kliniken sollten geschlossen werden. Wie müssen diese Männer, sicherlich auch Frauen, heute fühlen, die so einen Unsinn in die Welt setzten und so schnell von der Realität überrollt wurden?

Doch wie sieht es mit unseren Volksvertretern aus? Ich sage nur Philipp Amthor. Hoffnungsträger! Geiler Typ! Schamlos nutzt er die durch seine Wähler geliehene Macht, um Direktorenposten und Aktienoptionen zu ergattern. Alles zum Wohle des Volkes. Und Wolfgang Schäuble, seines Zeichens Präsident des Deutschen Bundestages, legitimiert das noch, in dem er aussagt, dass er keinen Regelverstoß feststellen könne. Wo bleibt die Moral? Ist denn jedes Rechtsempfinden verloren gegangen? Doch schon Berthold Brecht sagte: „Erst das Fressen, dann die Moral.“ Wenn Brecht wüsste, wie Recht Brecht hatte.

Der kleine, geile Typ versucht den Bundeswirtschaftsminister zu beeinflussen, darf zum Dank im Privatjet mitfliegen und genießt weitere Leckerlis während in Deutschland ca. 1,5 Millionen Kinder (ca. jedes siebte Kind) von Hartz 4 leben. Weltweit, auch in unserem Land, nehmen prekäre Verhältnisse zu. Menschen können von ihrer Arbeit nicht leben oder, wie oben bereits erwähnt, müssen ihre Heimat verlassen. Vermögen wird immer stärker konzentriert, während die Armut immer breiter verteilt wird.

Gleichzeitig rotten sich bei uns irregeleitete Gestalten zusammen, Identitäre, Reichsbürger, Klimaleugner, Verschwörungstheoretiker oder sonst was und finden eine politische Heimat am rechten deutschen Parteienrand oder in der sogenannten konservativen Werteunion. 75 Jahre nach Beendigung des Holocaust, Monate nach den Attentaten von Halle, Kassel oder Hanau. Das ist erschütternd.

Was tun wir, um ein gutes Miteinander zu fördern?

Vor diesem Hintergrund muss sich jeder Mensch fragen, was und wie er sein und wirken möchte. Was sind seine Werte und wofür steht er ein, was will er der Welt hinterlassen. „Ich habe es ja nicht gewusst“, das zählt nicht mehr. Noch viel mehr müssen sich allerdings Unternehmen positionieren und beantworten, welchen Schaden sie verursachen wollen oder welchen Mehrwert sie der Gesellschaft bieten. Was tun wir, um ein gutes Miteinander zu fördern? Was tun wir, um mit den uns zur Verfügung gestellten Ressourcen und Lebenszeit – die nämlich stellen uns die Mitarbeiter zur Verfügung – gut umzugehen und nachhaltig zu wirtschaften?

Aus diesem Grund bin ich als Geschäftsführer und Gesellschafter der Prior1 GmbH glücklich, gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Ralph und unseren Kollegen die Prior1 nach den Richtlinien der Gemeinwohlökonomie auszurichten. Mit dem Ziel, dem Gemeinwohl dienlich zu sein, der Gesellschaft und der Umwelt ein wenig von dem zurückzugeben, was wir ihnen nehmen.

Es ist an der Zeit, Wirtschaft neu zu leben. 

Dabei ist uns klar, dass wir noch lange nicht am Ziel angekommen sind und wir noch einen steinigen Weg vor uns haben. Es ist nicht immer leicht, Stabilität im Unternehmen zu sichern und sich gleichzeitig gemeinwohlorientiert zu verhalten. Doch bis heute hat uns diese Art zu wirtschaften gestärkt und sie erlaubt uns den geraden Blick in den Spiegel.

Es ist an der Zeit, Wirtschaft neu zu leben. Die Wirtschaft soll wieder dem Menschen und nicht der Mensch der Wirtschaft dienen.

Dennoch ist uns klar, dass gut gemeint nicht immer gut gemacht ist. Dass wir trotz aller Bemühungen, noch einiges falsch machen und unsere Umwelt belasten. Darum wollen wir unsere Anstrengungen weiter intensivieren und freuen uns über Anregungen, Kritik oder sonstige Hinweise.

Sollten auch Sie den Weg in ein anderes, ein nachhaltiges Wirtschaften oder in die Gemeinwohlökonomie suchen, jedoch nicht recht wissen wie, dann unterstützen wir Sie gerne. Wir sind jederzeit für Sie da. Unentgeltlich!

Und bitte daran denken, die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Also gehen Sie los.

Vielen Dank!

 

Stefan Maier

Geschäftsführender Gesellschafter

 

Der direkte Weg zur Gemeinwohlökonomie: https://web.ecogood.org/de/